Simple Crib

Ein einfacher Spickzettel

In diesem Artikel zeige ich Ihnen eine einfache Lösung für ein Problem, mit dem viele Magier und Mentalisten konfrontiert sind. Sie ist leicht herzustellen, kostet nichts, weil sie nicht auf einem teuren Hilfsmittel beruht, und kann obendrein an andere Situationen angepasst werden. Ich zeige Ihnen jedoch zunächst, wie ich sie bei einem Buchtest einsetze, so wie es in der Anleitung zu Babel erklärt wird. Am Ende des Artikels nenne ich weitere Beispiele.

Stellen wir uns folgende Situation vor: Sie führen einen Buchtest vor. Der Zuschauer hat unter scheinbar unmöglichen Bedingungen ein Wort gewählt. Er glaubt, seine Wahl sei frei gewesen; tatsächlich haben Sie ihn jedoch auf eines der 16 langen Wörter in Ihrem Buchtest forciert. Und Sie kennen dieses Wort, ohne dass der Zuschauer davon weiß.

Bevor ich die Technik entwickelte, die ich Ihnen gleich zeige, erriet ich das Wort, indem ich es einfach auf meinen Notizblock schrieb und zeigte, dass ich das richtige Wort notiert hatte. Das funktioniert, ist eindrucksvoll, schnell und erscheint dem Zuschauer unmöglich. Doch man kann noch viel weiter gehen. Ein kurzer Videoausschnitt soll das veranschaulichen. Bedenken Sie: Ich kenne das Wort des Zuschauers bereits, aber er weiß nicht, dass ich es kenne.

Statt das Wort nur zu enthüllen, entwickelte ich eine mehrstufige Enthüllungsmethode, die darauf beruht, dass der Zuschauer nicht weiß, dass ich sein Wort bereits kenne. Ich erwecke den Eindruck, sein Wort Schritt für Schritt zu erraten, wobei jeder Schritt eine Gelegenheit für eine weitere Enthüllung bietet. So vervielfache ich meine Treffer.

Da ich weiß, dass der Zuschauer an eines von 16 Wörtern denken wird, kann ich 16 verschiedene Skripte vorbereiten, eines für jedes Wort. 16 Skripte auswendig zu lernen wäre jedoch schwierig, deshalb verwende ich einen Spickzettel. Damit sind wir bei der Technik, die ich Ihnen zeigen wollte. Sie ist äußerst einfach und zugleich sehr wirkungsvoll.

Damit ein Spickzettel praktisch ist, muss er alle benötigten Informationen enthalten. Ich muss schnell, leicht und ohne verdächtige Bewegungen darauf zugreifen können, und er muss vollkommen verborgen sein. Der Spickzettel, den ich Ihnen gleich zeige, erfüllt all diese Kriterien.

Das Papier, das ich im Video in der Hand halte, hat das Format A3, also etwa 30 mal 42 Zentimeter beziehungsweise 11,5 mal 16,5 Zoll. Zur Vorbereitung zeichnete ich ein Raster aus vier Zeilen und vier Spalten. In jedes der 16 Felder schrieb ich eines meiner Skripte. Außerdem benötige ich ein zweites Blatt derselben Größe, das ich unter den Spickzettel lege.
Der Zuschauer sitzt, und ich stehe leicht hinter ihm. Der Spickzettel liegt direkt vor mir, sodass ich schnell, einfach und heimlich das Feld zum gewählten Wort finden kann. Dann nutze ich das Skript für meine Enthüllungen und tue zugleich so, als würde ich jeden bestätigten Buchstaben notieren. Natürlich schreibe ich tatsächlich nichts auf das Blatt; ich imitiere lediglich das Schreiben, als nähme ich Notizen.
Am Ende des Skripts sage ich: „Das ist etwas unordentlich; ich schreibe es noch einmal sauber auf.“ Ich nehme das Blatt mit dem Spickzettel und lege es verdeckt beiseite, als sei es zu unordentlich, um es weiterzuverwenden. Aus Sicht des Publikums ist diese Handlung völlig logisch und begründet. Nun halte ich nur noch ein leeres Blatt in der Hand. Darauf schreibe ich das vollständige Wort, bevor ich es dem Publikum zeige.

Ich habe die Technik hier natürlich für die Bühne beschrieben. Sie können den Spickzettel aber ebenso gut auf A4, im US-Letter-Format oder sogar auf einem kleinen Notizblock für Close-up ausdrucken.

Zu Beginn erwähnte ich, dass diese Technik auch in anderen Situationen einsetzbar ist. Stellen Sie sich vor, Sie verwenden ein Wahrsagekartenspiel, etwa Tarotkarten. Der Zuschauer glaubt, zufällig eine Karte zu wählen, doch tatsächlich forcieren Sie eine aus einer begrenzten Gruppe, zum Beispiel aus 16 Karten. Sind die Karten markiert, kennen Sie seine Karte heimlich und verwenden nun den gezeigten Spickzettel, um seine Wahl zu enthüllen und zugleich zusätzliche Aussagen über die Karte und den Zuschauer zu machen.

Oder stellen Sie sich eine Cocktailgesellschaft mit etwa zwanzig Personen vor. Während Sie wegsehen, verbirgt eine Person eine Münze in ihrer Hand. Danach kehren Sie zurück und ermitteln mithilfe einer logischen, mechanischen oder elektronischen Technik heimlich, wer die Münze hält. Vor der Veranstaltung haben Sie Informationen zu jeder Person gesammelt – Geburtstag und damit Sternzeichen, Name des Partners, Namen der Kinder und Haustiere, Postanschrift und dadurch die Möglichkeit, Straße und Haus mit Google Street View zu beschreiben und so weiter. Diese Angaben haben Sie in die Felder Ihres Spickzettels geschrieben, ein Feld pro Person. Die Enthüllung könnte dann so aussehen:
Falls Sie die Münze halten, zeigen Sie mir nichts, sondern konzentrieren Sie sich auf Ihr Sternzeichen. Ich glaube, ich habe es mit einem Zwilling zu tun. [Tun Sie so, als würden Sie diese Information notieren.]
Konzentrieren Sie sich auf Ihr Haus oder Ihre Wohnung. Ah, ich sehe ein zweistöckiges Haus mit einem Vorgarten. [Tun Sie so, als würden Sie diese Information notieren.]
Ich sehe auch eine Katze mit einem kleinen Glöckchen am Hals, eine braune Katze mit weißen Flecken. [Tun Sie so, als würden Sie diese Information notieren.]
All das sehe ich, aber ich muss noch herausfinden, wer die Münze hält.
Dann legen Sie den Spickzettel, auf dem Sie nur zum Schein Notizen gemacht haben, beiseite, als sei er nicht mehr nützlich, und zeichnen auf das darunterliegende leere Blatt einen großen Pfeil. Verwenden Sie ihn wie einen Kompass, um auf die richtige Person zu zeigen.

Sie sehen nun, dass sich diese Idee für jede Situation eignet, in der Sie viele Informationen speichern und vor den Augen des Publikums darauf zugreifen müssen. Ich habe die Technik oft verwendet, und sie hat mir immer gute Dienste geleistet.
Im nächsten Artikel stelle ich eine weitere, noch raffiniertere Technik vor. Sie ist diejenige, die ich heute verwende.

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